Blaubart und Miss Ilsebill by Alfred Döblin

(6 User reviews)   3498
Döblin, Alfred, 1878-1957 Döblin, Alfred, 1878-1957
German
Ever wonder what happens when a fairy tale grows up and gets complicated? Alfred Döblin’s 'Blaubart und Miss Ilsebill' does just that with the Bluebeard legend. Forget the simple story of a key and a forbidden room. Here, Bluebeard is a modern, troubled man, and Ilsebill is no passive victim. Their relationship becomes a strange, tense dance of power, suspicion, and maybe even a twisted kind of love. Döblin takes this old, dark story and asks: what if the monster is just a man, and the woman looking at him is far smarter than he expects? It’s a short, sharp shock of a book that will make you rethink everything you thought you knew about one of our oldest horror stories.
Share

Read "Blaubart und Miss Ilsebill by Alfred Döblin" Online

This book is available in the public domain. Start reading the digital edition below.

START READING FULL BOOK
Instant Access    Mobile Friendly

Book Preview

A short preview of the book’s content is shown below to give you an idea of its style and themes.

Sein Assistenzarzt heißt Werner Strick. Das ist ein Gewaltmensch. Feuchtedengel imponiert ihm nicht, aber sie sind Duzbrüder. Neben dem rotgesichtigen hochwüchsigen Strick, der bei der Visite mit Sporen steigt, die zutrauliche gutmütige beleibte Gestalt seines Medizinalpraktikanten, Krankenjournale vor der kurzen Stülpnase, drüber her auf die Betten glotzend, dampfend vor Eifer. Nach zwei Monaten konsultiert im schwarzen Gehrock nachmittags ein halb fünf Uhr vor der Stationsvisite Feuchtedengel seinen Chef wegen Hirnsepsis. Erklärt sofort, zahlen zu wollen, will wie ein gewöhnlicher Patient behandelt werden. Strick zieht sich die Stiefel an, wobei ihm sein Patient hilft, nimmt den erregten Besucher unter den Arm, setzt ihn im weißgestrichenen Untersuchungszimmer auf einen Eisenstuhl. »Zunge heraus!« »Aufstehen, Fußspitzen zusammen, Augen zu!« »Augen zu!« »Romberg negativ.« Zieht die schweren braunen Vorhänge zu, steckt hinter Feuchtedengels Rücken die Küchenlampe an, spiegelt seine Augen. Nichts zu finden. »Schlaf dich aus, Kerl. Geh nach Hause, Kerl!« Nach drei Wochen schwimmt Hubert wieder an im schwarzen bauchumspannenden Gehrock. Sein Chef schmeißt ihm zwei Sporenstiefel vor die Beine. Hubert knaut, ist gedrückt, stellt die Stiefel auf, bleibt demütig an der Tür. Die Krücke des Spazierstockes fliegt gegen ihn. Drei Tage ist er Luft für seinen Herrn. Schneevoller Winter. Silvesternacht. Sie versöhnen sich im jubelnden Bahnhofslokal. Frühmorgens fünf ziehen sie aufrecht aus der Wirtschaft die Neubrückenstraße herunter durch die Kapellenstraße. Feuchtedengel kann seine Überzeugung nicht zurückhalten. Also die Medizin, sagt er, entwickelt sich, aber schwach; es gibt eine umschriebene lokalisierte Sepsis; man kann sie haben, man kann sie lange Zeit haben. Werner Strick hat seinen Paletot im Bahnhof liegen lassen, geht in einer Flauschjacke, trägt die Reitpeitsche. Er schickt den Schwaben nach der Bahn; als er den Paletot hat, der Dicke ihn wieder demütig angafft, gerät er in Stinkwut über Hubert Feuchtedengel, seinen Medizinalpraktikanten. Haut ihm den steifen Hut ein, spuckt auf das schwarze Brückengeländer, schimpft vor sich. Wie sie weiter marschieren, flucht Strick. Er habe genug von der Sache. Beißt auf seine Zigarre: »Du Schwein. Du verwerfliches Schwein. Du bist ja ein ganz verwerfliches Schwein. Jetzt aber, jetzt sollst du was sehen. Jetzt kommst du mit. Jetzt hast du deine Sepsis und wirst behandelt. Verstehst du, Kerl?« Feuchtedengel ist einverstanden, seine Augen tränen vor Entzücken, er ist vor Rührung nicht imstande, den Hut auszubeulen. »Kerl,« flucht Strick weiter, kaut an seinem kalten Stengel, »Kerl, Kerl, dich werden wir kriegen.« Klirrt mit den Sporen, stubbst am Kino den Plakatständer um. Im Doktorzimmer, mit der Linken Licht knipsend, schubbst der Assistenzarzt den Barhäuptigen gegen die Chaiselongue, streift sich die Ärmel auf. Der Dicke unsicher: »Ziehst du nicht den Mantel aus? Wollen wir die Schwester wecken?« »Nun legst dich hin und hälst die Goschen, Luder damisches.« Strick raucht krampfhaft, schluckt, sucht im Arzneischrank. »Kriegst eins reingefuhrwerkt,« giftet er seinen Schüler an, »daß du platzst. Kollargol, für deine kreuzdämliche Sepsis. Wieviel willst du denn?« »Fünf Gramm,« lächelte der glückliche Hubert; beschaut schmunzelnd seine geschwollenen Armvenen. »Nimm den Arm runter, ist noch nicht so weit. Fünf Gramm kannst ins Gesicht kriegen von mir. Fünfzehn krieste. Zwanzig, wenn du nicht 's Maul gleich zumachst. Spuck dir rein, du verwerfliches Subjekt.« Werner Strick vom Schrank weg, bürstet, wäscht sich im Paletot in den mächtigen Operationsschüsseln. Sein schwarzer Hut schwankt bei der wuchtigen Tätigkeit. Geheimnisvoll von hinten Feuchtedengel, aus himmelnden Äuglein zu seinem Chef: »Fünfundzwanzig Gramm. Ich vertrag es. Ehrenwort. Viel muß man bei mir geben. Über die Maximaldose.« Verächtlich schweigt der Chef. Das Sublimat spritzt, über die Schüssel hinweg springt der Hut. Der Schwabe rückt an, will gebückt unten den Hut fassen, kriegt von der Seite einen Tritt in die Weiche. Massig steht mit der großen Zwanziggrammspritze aus Glas...

This is a limited preview. Download the book to read the full content.

If you think you know the story of Bluebeard—the rich nobleman, the curious wife, the bloody key—think again. Alfred Döblin, the brilliant mind behind 'Berlin Alexanderplatz,' grabs this old tale and gives it a hard, modern shake.

The Story

The story keeps the basic shape: Bluebeard marries Ilsebill, gives her a key, and forbids her from opening one specific door. But Döblin zooms in close on their strange, claustrophobic marriage. This Bluebeard isn't just a cartoon villain; he's a man haunted by his past and obsessed with control. Ilsebill isn't just curious; she's intelligent, watchful, and determined to understand the man she's married. The forbidden room becomes less about gore and more about the secrets and guilt that can poison a relationship from the inside. The tension isn't just about whether she'll open the door, but about whether their whole fragile world will shatter when she does.

Why You Should Read It

What grabbed me was how Döblin turns a simple horror fable into a deep, psychological puzzle. He's not interested in easy monsters. He wants to know what makes a man act like a monster and what kind of woman would stay to figure him out. The writing is intense and direct, pulling you right into the uneasy atmosphere of their home. You feel Ilsebill's sharp gaze and Bluebeard's nervous energy. It’s a masterclass in taking something familiar and making it feel new and deeply unsettling.

Final Verdict

Perfect for readers who love classic stories retold with a sharp, psychological edge. If you enjoyed Angela Carter's 'The Bloody Chamber' or just like the idea of a fairy tale being dissected under a modern microscope, this is your book. It's short, but it packs a punch that stays with you, making you look at the old stories—and maybe even modern relationships—a little differently.



🔓 Usage Rights

This masterpiece is free from copyright limitations. Use this text in your own projects freely.

Elizabeth Young
2 months ago

After finishing this book, it challenges the reader's perspective in an intellectual way. I couldn't put it down.

Anthony Smith
2 months ago

I was skeptical at first, but the character development leaves a lasting impact. Exceeded all my expectations.

Mary Hernandez
1 year ago

Recommended.

Jackson Rodriguez
2 months ago

Clear and concise.

Lisa Rodriguez
7 months ago

Perfect.

4.5
4.5 out of 5 (6 User reviews )

Add a Review

Your Rating *
There are no comments for this eBook.
You must log in to post a comment.
Log in


Related eBooks