in der zeitlichen Folge zwischen „Rodion Raskolnikoff“ und „Idiot“. Zu der Übersetzung einige Bemerkungen. Im russischen Original kommen Brocken von verschiedenen Sprachen vor, die beibehalten wurden, da sie zur Charakterisierung russischer Westler dienen und dem ganzen „Spieler“-Milieu den internationalen Anstrich geben. Ferner wurden einige schwer oder eigentlich überhaupt unübersetzbare Worte in russischer Form beibehalten, wie Franzusischka und Polatschki – Diminutive, bzw. Hohnformen mit einer sonst gar nicht wiederzugebenden Portion Verachtung. Das Bestimmende war dafür, daß Dostojewski gerade in diesem Roman mit seiner kosmopolitisch gefärbten Gesellschaftssphäre so überaus selbstbewußt, fast könnte man sagen verbissen national, nationalstolz, russenstolz auftritt. Endlich blieben auch hier wieder Babuschka und Matuschka unübersetzt, die ja wohl wörtlich Großmütterchen, bezw. Mütterchen heißen, aber doch ganz allgemein im Sprachgebrauch als Anrede für alte Frauen benutzt, bezw. zur Bezeichnung eines ganz allgemein mütterlichen Verhältnisses verwandt werden. Der „Ewige Gatte“ fällt in der Chronologie der Werke Dostojewskis in das Jahr 1870, steht also in der zeitlichen Folge zwischen „Idiot“ und „Dämonen“. E. K. R. Der Spieler I. Endlich bin ich nach vierzehntägiger Abwesenheit wieder hier eingetroffen. Die Unsrigen sind schon seit drei Tagen in Roulettenburg. In meiner Annahme, daß sie mich Gott weiß wie sehnsüchtig erwarteten, täuschte ich mich sehr. Der General blickte höchst selbstbewußt drein, als er mich empfing, sprach mit mir nur in herablassendem Ton und schickte mich dann zu seiner Schwester. Jedenfalls ist es klar, daß sie inzwischen irgendwo Geld aufgetrieben haben. Dennoch wollte es mir scheinen, daß der General sich trotz all seines Selbstbewußtseins ein wenig vor mir schämte und meinem Blick auswich. Marja Filippowna war sehr beschäftigt und sprach nur flüchtig mit mir. Das Geld nahm sie jedoch in Empfang, zählte es nach und hörte sogar meinen ganzen Bericht an. Zu Tisch wurden Mesenzoff und der jämmerliche Franzose erwartet, und außer ihnen noch ein Engländer. Natürlich: haben sie Geld, so muß doch sofort ein Diner gegeben werden. Sie werden doch nicht die Moskowiter verleugnen! Polina Alexandrowna fragte mich nur ^en passant^, weshalb ich so lange fortgeblieben sei, worauf sie, ohne meine Antwort abzuwarten, an mir vorüberging. Selbstverständlich lag Absicht in diesem Benehmen. Wir sind uns übrigens noch Erklärungen schuldig. Es hat sich mit der Zeit zu viel angesammelt. Für mich war im vierten Stockwerk des Hotels ein kleines Zimmer reserviert worden. Hier weiß man, daß ich zur „Suite“ des Generals gehöre. Aus allem ist zu ersehen, daß sie bereits zu imponieren verstanden haben. Der General wird hier für einen der reichsten russischen Aristokraten gehalten. Vor Tisch bat er mich, für ihn zwei Tausendfrankennoten zu wechseln. Ich wechselte sie im Büro des Hotels. Jetzt wird man uns wenigstens eine Woche lang für Millionäre halten. Darauf wollte ich mit Mischa und Nadjä einen Spaziergang machen, wurde jedoch auf der Treppe zurückgerufen: der General ließ mich zu sich bitten. Es fiel ihm plötzlich ein, sich bei mir zu erkundigen, wohin ich die Kinder führen wolle. Nein, dieser Mensch ist entschieden nicht imstande, mir offen in die Augen zu sehen! Er würde es ja mehr als gern tun, doch erwidere ich seinen Blick jedesmal so offen und kühl, d. h. so unehrerbietig, daß er sogleich verwirrt zur Seite blicken muß. In sehr hochtrabenden Ausdrücken, eine Phrase an die andere gereiht – weshalb er sich denn zum Schluß total verwirrte – gab er mir zu verstehen, daß ich mit den Kindern möglichst weit weg vom Kurhaus spazieren solle, am besten wohl irgendwo in den entlegeneren Teilen des Parks. Plötzlich ärgerte er sich über sich selbst und fügte schroff hinzu: „Sonst bringen Sie sie womöglich noch in die Spielsäle und spielen mit ihnen Roulette ... Das heißt, pardon,“ unterbrach er sich, „Sie...
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Mark Miller
2 months agoHonestly, the emotional weight of the story is balanced perfectly. Definitely a 5-star read.