Die Herrin und ihr Knecht by Georg Engel

(2 User reviews)   2011
Engel, Georg, 1866-1931 Engel, Georg, 1866-1931
German
Have you ever wondered what happens when the roles society gives us get completely flipped? That's the heart of Georg Engel's 'Die Herrin und ihr Knecht' (The Mistress and Her Servant). It's a tense, surprising story set in a time of strict class rules. When a wealthy, powerful woman and the man who works for her find their positions suddenly reversed, everything they thought they knew about power, duty, and desire gets thrown into chaos. It's less about romance and more about a fascinating, uncomfortable power struggle that will make you question who's really in control. If you like character-driven historical drama with a sharp edge, this hidden gem is for you.
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Viereck in dem Kleeacker, das eigentlich ein Grab vorstellte. Ja, die Nacht mit ihren Schrecken war vorübergerast, und der Morgen wollte für die Heimat und die deutsche Menschheit tagen. Und ebenso, wie Johanna Grothe, so stand ihr ganzes Volk vor der weißen Mauer, die wieder frisch getüncht war, und sah auf das helle Blutmal, das in der Sonne funkelte. Ohne Haß, ohne Rachsucht, nur in dem Bewußtsein, daß die Erinnerung daran nicht wieder fortgelöscht werden könnte, und daß jeder alle Kräfte daransetzen müsse, die Mauern des großen Hauses bis auf den einen Fleck weiß und sauber zu erhalten. * * * * * Jedem Beschauer bot es einen hellen, einen erfreulichen Anblick, als der leichte, gelbe Jagdwagen, von den beiden wiehernden und schnaubenden Rappen gezogen, in die ersten Straßen der Provinzialhauptstadt einbog. Grüne und blaue Frauenschleier wehten in dem frischen Wind hinter dem Gefährt her, unter den flatternden grauen Staubmänteln blitzten vorüberhuschend weiße und rosa Sommerkleider auf, und zuweilen wurde das Rasseln der Räder durch ein plötzlich auffahrendes Mädchenlachen übertönt, das sich ungeniert und im vollen Genuß des Augenblicks äußerte. Dann streckte mancher kleine Handwerksmeister den Kopf aus seinem Laden heraus, oder in den schrägen Spionenspiegeln, die an die schmalen Fenster der Wohnstuben angeschraubt waren, tauchte das zitternde Konterfei einer nähenden Bürgersfrau auf, die nach einem Blick auf das strahlende Gefährt befriedigt feststellte: »Aha, die drei Grothe-Marjellen sind wieder da. Hellwig, du bleibst zu Hause, die Älteste kauft nachher ein.« Und nach einer Weile des Herauslugens setzte dann wohl die dicke Vorkosthändlerin in angenehmer Gewißheit hinzu: »Natürlich, die Grotheschen stellen im Deutschen Hause ein. Da hat es dann Konsul Bark nicht weit. Merkwürdig, sie sollten doch einmal Ernst machen. Aber bei dieser Art Leuten ist das Herumziehen die Hauptsache. Freilich, mich geht's nichts an, ich bin ja nicht die Mutter.« Und unten aus dem tiefen Kellerloch dröhnte eine verquollene Stimme zur Antwort herauf: »Meines Wissens nicht, Mamachen. Und wehe dir, wenn du nachher Andeutungen machst.« »I wo,« wehrte sich die Dicke und wischte an den Fensterscheiben, damit sie dem prächtigen Wagen noch etwas länger folgen könnte. »Ich kümmere mich nicht um die Angelegenheiten fremder Leute. Bloß der Umstand, daß Konsul Bark, dieser feine Herr, auch mit anderen --« In diesem Moment jedoch wurde die Klapptür des Kellers mit solcher Wucht in ihre Einfassung geschleudert, daß das Häuschen einen Sprung machte und jedes vernünftige Gespräch verstummen mußte. Das war sehr unrecht, man hätte noch allerlei erfahren. Unter der Einfahrt des Deutschen Hauses stand Johanna Grothe -- »Hans«, wie sie sowohl von ihren Schwestern als auch von Freunden genannt wurde -- vor dem gelben Jagdwagen, den die Mädchenschar soeben verlassen, und während sich die anderen jungen Damen die Staubmäntel schüttelten und die Toiletten ein wenig in Ordnung brachten, gab die Älteste dem noch auf dem Bock sitzenden halbwüchsigen Kutscherjungen ihre letzten Befehle. Sie sprach sehr nachdrücklich mit ihrer festen, ruhigen Stimme, denn der Bursche da oben war nur schwer seiner polnischen Schläfrigkeit zu entreißen, und er sah auch jetzt aus blöden Augen apathisch einer Rotte von Fliegen zu, die den Rücken seiner Tiere peinigte. »Stasch, du spannst hier aus.« Der Junge rührte sich nicht, sondern schüttelte nur ein wenig verwundert das Haupt, weil sich immer mehr Bremsen einfanden. Die Tiere schlugen hinten aus. »Ausspannen, Panna?« murmelte er geistesabwesend. »Ausspannen,« rief Hans böse hinauf, und dabei versetzte sie dem Rosselenker einen Ruck gegen den Arm, daß der Junge beinahe sein Gleichgewicht verloren hätte. »Oh Jesus, Panna,« stöhnte er. »Und dann soll hier gefuttert werden,« bestimmte die hochgewachsene Blonde weiter. »Gefuttert?« murmelte Stasch in sich hinein, wobei er beinahe Miene machte, von neuem in...

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Georg Engel's 1901 novel is a quiet storm in a teacup—a tightly focused drama that explores the invisible walls between people.

The Story

The book centers on Helene, a wealthy, educated woman accustomed to command, and Robert, her capable and devoted servant. Their world runs on unspoken rules of class and gender. A sudden twist of fate—an inheritance for Robert, a financial disaster for Helene—forces a shocking role reversal. Robert becomes the man of means, and Helene finds herself dependent on his goodwill. The story watches, almost like a psychological experiment, as they navigate this new, awkward reality where every interaction is charged with the ghost of their old relationship.

Why You Should Read It

What grabbed me wasn't a sweeping plot, but the incredible tension in everyday moments. A simple request, a shared meal, a glance—each carries the weight of their history. Engel doesn't paint heroes or villains. Instead, he shows two people trapped, first by society's script and then by their own pride and confusion. You'll catch yourself switching allegiances, wondering who has the real power in any given scene. It's a brilliant, uncomfortable look at how identity is tied to status.

Final Verdict

This book is perfect for readers who love character studies and historical fiction that feels psychologically modern. If you enjoy stories about social dynamics, like Edith Wharton's work but with a German setting, you'll appreciate Engel's sharp eye. It's a short, potent read that proves you don't need epic battles to have a serious conflict—sometimes, the most dramatic wars are fought in a drawing room.



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This digital edition is based on a public domain text. You do not need permission to reproduce this work.

Logan White
1 year ago

Comprehensive and well-researched.

Mason Jackson
1 year ago

Good quality content.

3.5
3.5 out of 5 (2 User reviews )

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