Die sechs Mündungen: Novellen by Kasimir Edschmid

(2 User reviews)   2929
By Isabella Wilson Posted on Nov 15, 2025
In Category - Pets & Care
Edschmid, Kasimir, 1890-1966 Edschmid, Kasimir, 1890-1966
German
Have you ever wondered what it's like to live six different lives in one night? That's the strange and unsettling question at the heart of Kasimir Edschmid's 'Die sechs Mündungen' (The Six Mouths). This isn't a typical collection of short stories. It's a single, haunting novella where a man, in a state of feverish crisis, experiences the final, desperate moments of six other people. We're not talking about dreams or fantasies, but visceral, raw glimpses into their last breaths. The central mystery isn't a 'whodunit,' but a 'why him?' What connects this man to these strangers in their ultimate moments? It's a short, intense read that will make you look at your own life—and the lives of people passing you on the street—in a completely new light.
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der war sehr lang und hatte einen großen Kopf und eine breite Brust. Auf seinem Haupte trug er einen Kasten aus Glas, der war mit vier Schlössern aus Stahl verschlossen. Der Geist setzte sich unter den Baum, auf den die beiden Brüder geklettert waren, nahm den Kasten vom Kopfe und öffnete die Schlösser mit vier Schlüsseln. Er zog aber ein wunderbares Mädchen heraus mit süßem Munde, schönem Busen und einem Gesichte, das dem Vollmond glich. Der Geist betrachtete sie liebevoll und sagte: »O Geliebte meiner Seele! Du schönste und vollkommenste aller Frauen, die ich entführt habe, ehe ein anderer dich kannte! Laß mich in deinem Schoße schlafen.« Er legte den Kopf auf ihre Kniee, streckte sich aus und schnarchte alsbald, daß es klang wie fernes Donnerrollen. Da hob das Mädchen von ungefähr ihr Haupt empor und erblickte Scheherban mit seinem Bruder auf dem Baume. Langsam legte sie den Kopf des Geistes auf die Erde und gab den beiden durch ein Zeichen zu verstehen, sie möchten doch zu ihr herabsteigen. Jene aber antworteten: »Herrin, entschuldige, wenn wir nicht kommen.« Da entgegnete sie: »Wenn ihr nicht herabkommt, so wecke ich den Geist, meinen Gemahl; er soll euch auffressen.« Als sie ihnen abermals freundlich winkte, kletterten die Brüder zu ihr herunter. Dann verlangte sie, daß ihr beide zu Willen sein möchten. Die Brüder aber sagten: »Beim Allmächtigen, verlange das nicht von uns, denn wir fürchten uns vor dem Geiste.« Sie sprach: »Wenn ihr mir nicht zur Seite liegt, so schwöre ich, daß ich den Geist aufwecke, damit er euch töte!« Da taten die Brüder, was sie von ihnen forderte. Sie aber zog einen Beutel aus ihrem Gewande hervor und entnahm ihm achtundneunzig Silberringe und sagte: »Wißt ihr, was diese Ringe bedeuten? Sie stammen von achtundneunzig Männern, die mir willfährig waren. Nun gebt mir auch eure Ringe, damit ich weiß, daß es hundert Männer waren, mit denen ich diesen schrecklichen, häßlichen Geist hintergangen habe. Denn er hat mich in diesen Kasten gesetzt und läßt mich im tiefen Meere wohnen, damit ich nur ihm gehöre und tugendhaft bleibe. Dieses Scheusal weiß nicht, daß der Wille der Frauen sich von niemandem bestimmen läßt!« Als die beiden Brüder dieses hörten, waren sie sehr verwundert und riefen: »Es gibt keinen Schutz, außer bei dem erhabenen Gotte! Deshalb wollen wir bei ihm gegen die List der Frauen Hilfe suchen; denn wahrlich! nichts kommt ihr gleich!« Das Mädchen aber sprach zu ihnen: »Gehet eures Weges!« Als sie nun weiterschritten, sagte Scheherban: »Sieh, lieber Bruder, dieses Abenteuer ist noch seltsamer als unseres, denn hier ist ein Geist, der ein Mädchen in der Hochzeitsnacht raubte und es in einen gläsernen Kasten eingesperrt hat. Er hat sie mit vier Schlössern eingeschlossen und in das tobende Meer versenkt, damit er sie dem Schicksal entreißen könnte, aber sie hat doch hundertmal Verrat geübt. Wahrhaftig, es gibt keine treuen Frauen! Wir wollen getrost in unser Königreich zurückgehen und den festen Entschluß fassen, nie mehr zu heiraten.« Also kehrten sie wieder um und gingen, bis die Nacht hereindämmerte; am dritten Tage aber trafen sie wieder in ihrer Heimat ein, traten unter die Zelte, setzten sich auf den königlichen Thron, und alle Fürsten und Großen des Landes versammelten sich um sie. Der König befahl nun, daß man in die Stadt zurückziehen möge; er aber begab sich in sein Schloß, ließ seinen Wesir kommen und befahl ihm, seine Gemahlin zu töten. Und alsbald brachte der Wesir sie um. Darauf ging der König zu den Sklavinnen und erschlug sie alle mit seinem Schwerte; dann ließ er sich andere kommen und schwur, daß er sich jede Nacht eine andere erwählen wolle...

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Kasimir Edschmid was a key voice in German Expressionism, a movement that loved to bend reality to show raw emotion. 'Die sechs Mündungen' is a prime example. It’s less a traditional plot and more of a psychological dive.

The Story

A man, whose own life feels like it's falling apart, finds himself suddenly experiencing the deaths of six strangers. One moment he's a soldier in a trench, the next a sailor drowning at sea, then a patient in a hospital. Each 'mouth' is a portal into a final, fragmented burst of consciousness—fear, regret, pain, sometimes even peace. The thread connecting them is the main character's own unraveling mind, trying to make sense of this horrific gift or curse.

Why You Should Read It

This book grabs you by the collar. It’s not about easy answers. Edschmid makes you feel the sheer, messy humanity of dying. It’s unsettling, but in a way that makes you appreciate being alive. The prose is sharp and vivid, painting each scene with intense, almost physical strokes. You read it and think about all the unseen stories ending every second, everywhere.

Final Verdict

Perfect for readers who love short, powerful fiction that punches above its weight. If you enjoy thought-provoking classics like Kafka's shorter works or the intense mood of early 20th-century literature, this is for you. It’s a brilliant, if dark, little gem from a fascinating artistic period. Just don't expect a cozy bedtime story!



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Michael Perez
3 months ago

Five stars!

Sarah Thomas
9 months ago

From the very first page, the arguments are well-supported by credible references. Highly recommended.

5
5 out of 5 (2 User reviews )

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